Feminismus – Heute aktuell?

In der Vergangenheit waren die Ungerechtigkeiten für Frauen extrem (schaut euch hierzu auch gerne folgenden Artikel an: https://raabeblog.net/?p=214). Da kann man sich fragen, ob es den Feminismus heute noch braucht. Unsere Antwort darauf ist eindeutig: ja! Auch wenn es vielen Menschen, vor allem Männern nicht bewusst ist, gibt es auch heute noch eine Ungleichbehandlung bzw. viele Schwierigkeiten für Frauen.

In Deutschland ist hierfür beispielsweise der Gender Pay Gap zu nennen. Hierbei handelt es sich um die Lohnlücke zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen. Berechnet man diesen unbereinigt, also das Durchschnittsgehalt von allen Männern und Frauen, gab es 2020 einen Unterschied von 18 Prozent. Dieser kommt v. a. dadurch zustande, dass weniger Frauen arbeiten, weil sie z. B. mehr Care-Arbeit leisten. Außerdem arbeiten sie häufig in Bereichen, die schlechter bezahlt werden, wie in der Pflege. Hier liegt der Frauenanteil bei ca. 85 Prozent.

Weiterhin arbeiten weniger Frauen in Führungsetagen, wo sie potentiell mehr verdienen würden. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen steigt zwar stetig, betrug aber 2020 gerade mal 11,6 Prozent, auf 100 Männer kommen also nicht einmal 12 Frauen!

Und auch die Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland weiterhin existent. In den letzten Wochen gab es in den sozialen Medien viel Wirbel darum, dass Frauen häufig Angst vor Gewaltverbrechen haben. Viele Frauen haben eine Routine, wenn es darum geht, nachts im Dunkeln nach Hause zu laufen und ergreifen Maßnahmen, um sich selbst im Notfall zu schützen. Und wenn es nur um das Austauschen der Schuhe geht, um besser weglaufen zu können. Um diese Dinge machen sich Männer häufig keine Gedanken: Das zeigt, dass in unserer Gesellschaft noch einiges getan werden muss, um eine Gleichberechtigung zu erreichen.

Und all diese Aspekte sind aus einer eurozentristischen Sichtweise geschrieben. In vielen anderen Teilen der Erde müssen Frauen sehr viel Schlimmeres ertragen. So leben weltweit vermutlich etwa 200 Millionen Frauen und Mädchen, die an Genitalverstümmelungen leiden bzw. sterben circa Prozent derjenigen, an denen solch ein Eingriff praktiziert wird. Es handelt sich hier um ein Extrembeispiel. Aber auch andere Gründe sprechen dafür, dass Feminismus weiterhin notwendig ist. In vielen Ländern werden Mädchen und Frauen strukturell benachteiligt, sie erhalten weniger Bildung, werden früh verheiratet und können deshalb nicht arbeiten, werden abhängig vom Mann.

Es gibt also überall auf der Welt ganz unterschiedliche Benachteiligungen für Frauen. Aber nur, weil manche drastischer sind als andere, müssen alle bekämpft werden. Der Feminismus möchte diese Gleichberechtigung erreichen. Und nicht nur Frauen sollen bessere Lebenschancen gewährt werden. Es werden auch andere Personengruppen systematisch benachteiligt und es gibt Bestrebungen, auch diese in die feministische Bewegung einzugliedern. Generell kann man deshalb auch von FLINT* Personen sprechen. „FLINT* steht für Frauen*, Lesben, inter, non-binary und trans* Personen und ist eine Abkürzung, die nicht nur Frauen in feministische Arbeit und Feminismus inkludieren will, sondern kurz alle Personen, die vom Patriarchat unterdrückt werden.“

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Der Feminismus hat eine bewegende Geschichte hinter sich, in der nichts vom „schwachen Geschlecht“ zu erkennen ist, im Gegenteil. Auch in Zukunft werden Feminist*innen weiterkämpfen und für Gleichberechtigung einstehen.

Forderungen, die heute gestellt werden, findet ihr auch auf den folgenden Plakaten von Sarah:

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Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html

https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_pflege/magazin_509_maenner.pdf

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180102/umfrage/frauenanteil-in-den-vorstaenden-der-200-groessten-deutschen-unternehmen/

http://syntaxblog.at/2016/11/was-ist-das-fuer-1-flint/